Ja, es gibt wirklich gute Politiker auf dieser Welt. In Zeiten der grassierenden Politikerverdrossenheit muss man das immer wieder betonen. Also – es gibt sie, die Politiker, die sich kümmern, die die Welt verbessern wollen, klare Positionen haben und denen die Sache immer wichtiger ist als ihre eigene Person. Diese Politiker gibt es in der Welt, in Deutschland, in Baden-Württemberg, selbst in Konstanz gibt es einige sehr tüchtige Kommunalpolitiker.
In Konstanz gibt es aber auch Frank Hämmerle. Das ist der hier.
Der ist Landrat, Mitglied in der CDU, ein glänzender Netzwerker, aber eben immer auch ein bisschen mehr an sich selbst als an Sachthemen interessiert. Kaum ein Fest, das er auslässt, kaum ein Pressebild auf das er sich nicht noch irgendwie dazuschiebt. Hämmerle mag es, sich als Macher zu inszenieren. Und wenn das in der Berichterstattung so mal nicht rüberkommt, dann greift er auch schon mal selber zum Telefonhörer und beklagt sich in der jeweiligen Redaktion: „Warum wurde ich auf dem Bild weggeschnitten? Warum wurde mein Redebeitrag nicht erwähnt?“ Wenn er selbst gerade keine Zeit hat, weil er mit Regieren beschäftigt ist, dann muss sein Pressesprecher, respektive seine Pressesprecherin (das wechselt im Landratsamt immer mal wieder) diesen Job übernehmen und den Journalisten erklären, dass der Landrat bei dieser oder jener Aktion schon ganz gerne erwähnt worden wäre, und irritiert darüber sei, dass sein Name in diesem oder jenem Text nicht auftauche. „Aber vielleicht können Sie ja da noch mal was machen?“ lautet am Ende dieser Gespräche zumeist die hoffungsschwangere Frage.
Nein, können wir nicht.
Und noch ein Rat für alle Hämmerles dieser Welt: Kümmern Sie sich einfach mit ähnlich viel Verve um Sachthemen wie um Ihre Selbstdarstellung – dann kommen Sie von ganz alleine in die Medien.
Worum geht es bei Freundschaft eigentlich? Dass man sich aufeinander verlassen kann? Dass man sich erkennt und versteht – auch wenn Raum und Zeit dazwischen stehen? Oder geht es mehr um einen selbst? So, dass man das Gefühl haben kann, keinerlei Masken tragen zu müssen, wenn man unter Freunden ist. Dass man entspannen kann von der Angestrengtheit des Alltags. Ist es das?
Es ist all das. Und noch so viel mehr. Es gibt essentielle Zutaten für eine gute Freundschaft. Dazu zählen Vertrauen, Verlässlichkeit und Verständnis. Aber wie bei jedem guten Rezept nutzen alle diese Einzelteile nichts, wenn sie nicht durch etwas Besonderes verbunden werden. Dass zu beschreiben ist gar nicht so leicht. Es fängt an mit einer Leichtigkeit, die einen erfasst, wenn man mit Freunden zusammen ist. Eine Leichtigkeit, die einen öffnet. Weil man keine Angst haben muss, nicht angenommen zu werden. Tatsächlich sein zu können ist der Schlüssel für gegenseitige Freundschaft. Dieses Grundgefühl muss da sein. Sonst funktioniert es nicht.
Nach der Offenheit kommt das Selbstvertrauen. Fast ganz automatisch durch das Gefühl, nichts verbergen zu müssen. Ein großartiges Gefühl, weil es einerseits die Freundschaft stärkt, andererseits aber auch das eigene Selbstbewusstsein. Auf Dauer funktionieren gleichberechtigte Freundschaften nur zwischen selbstbewussten Menschen. Wer mit guten Freunden zusammen ist, entdeckt die besten Seiten an sich: Nachdenklich, unterhaltsam, aufmerksam, interessiert, klug, humorvoll.
Wer wissen will, ob er sich mit guten Freunden umgibt: Wer sich nicht gut fühlt mit Menschen, die ihn umgeben, der hat garantiert die falschen Freunde. Freunde nerven auch manchmal, aber sie dürfen einem nicht die ganze Kraft rauben. Freunde sind nicht dazu da, einem zu sagen, wie toll man ist. In einer Welt, in der uns alle vorgaukeln, dass jeder Superstar, reich und berühmt werden kann, sind Freunde das Korrektiv. Sie halten dich in Bodennähe, wenn du schwebst. So bitter es ist: Wir können nicht alle Superstars oder anbetungswürdige Rockgötter werden. Gute Freunde erinnern einen daran und mögen einen trotzdem. Aber: Gute Freunde lassen einen auch mal schweben. Sie halten dich nicht fest. Sie lassen dir Platz. Und greifen erst ein, wenn es sein muss.
Ein weiterer Test für gute Freundschaft: Siehst du das Glitzern in den Augen deiner Freunde, wenn ihr zusammen seid? Das untrügliche Zeichen für gegenseitige Sympathie, geteilte Freude, gemeinsame Erinnerung und manchmal sogar freundschaftlicher Liebe. Wenn das da ist, dann hast du 5*-Freunde. Herzlichen Glückwunsch. Tue alles, um sie dir zu bewahren. Sie sind unersetzlich.
Gibt es eigentlich noch jemanden, der nicht gestresst ist dieser Tage? Irgendwas ist immer und jeder hat seinen eigenen Stress. So scheint es jedenfalls. Kein Wunder, dass die Wellness-Branche seit Jahren boomt: Wo viel Anspannung ist, wird viel Entspannung benötigt. Dabei ist das organisierte Erholen doch manchmal mehr Fluch als Segen. Weil die Wellness-Bunker in den entlegensten Nestern sind und die so zur Zweisamkeit verdammten Paare über keinerlei Ausweg verfügen. Sie müssen sich miteinander beschäftigen. Und das geht nicht immer gut.

Wellness geht eigentlich viel einfacher. Auch auf die Gefahr hin, dass es esoterisch klingt: Man muss sich nur einen Tag raussuchen und nur Dinge machen, die man selbst wirklich machen will. Um 14 Uhr ein großer Cappucino, um 16 Uhr am See lesen, um 18 Uhr ins Kino. Und letzteres auch machen obwohl alle Freiluftfanatiker sagen: Aber bei dem Wetter geht man doch nicht ins Kino! Doch. Geht man.
Es ist ein wunderbares Gefühl der Selbstbestimmtheit, wenn man einen Tag auf diese Weise verbringt. Warum das so ist, ist schwer auf einen Nenner zu bringen. Aber vielleicht liegt es daran: Alle Menschen, die sich sonst so fühlen als würden sie dem Leben nur hinterherlaufen, können das Ruder wieder in die Hand nehmen und sagen wo es lang geht. Ohne Kompromisse. Das entspannt mehr als jedes Schlammbad. 100-Prozentig.
Manchmal klingen Worte unglaublich hohl. Manchmal sind sie bitter, wie ein abgestandener Kaffee und manchmal hinterlassen sie einen metallischen Geschmack im Bewusstsein. Das kann daran liegen, dass die Worte keine Seele haben oder dass sie Dinge aufwühlen, die längst abgeschlossen schienen. Dass sie einen erinnern an ein mögliches anderes Leben.

Aber irgendwann muss man anfangen sein Leben zu leben. Trotz aller Optionen. Trotz allen Nachdenkens. Die Generation Neon denkt so viel nach, dass sie allmählich müde davon sein sollte. Nicht weil das Denken nicht lohnend wäre, sondern weil es immerzu nur um das Eine kreist: Einen selbst. Warum finde ich nicht den richtigen Job? Wo finde ich den richtigen Partner? Warum bin ich nicht beziehungsfähig? Manche Fragen wird man sein Leben lang nicht beantworten. Sollte man sie dann aufgeben?
Es kommt die Zeit, da geht es weiter. Alte Fragen werden unwichtig, anderes rückt in den Mittelpunkt. Irgendwann nervt diese Selbstbezüglichkeit nur noch. Jenseits aller Selbstverwirklichungswünsche - es gibt doch so viel andere wichtigere Dinge neben dem eigenen Ego auf dieser Welt.
Manchmal ist das Leben wie ein großes Computerspiel: Es gibt individuell verschiedene Levels. Nicht jeder erreicht alle, die er/sie erreichen könnte. Man entwickelt sich, findet neue Waffen mit denen man sich durchs Leben schlagen kann oder andere Menschen mit denen man Zeit verbringen möchte. Ist doch logisch, dass sich dann auch irgendwann der Horizont verschiebt. Vielleicht ist es also einfach nur ein Zeichen des Erwachsenwerdens, wenn man diesen Punkt erreicht hat. Kein Grund zur Panik. Oder doch?
Nun leben wir nicht eben in einer Zeit, die sich durch mangelnde Informationen auszeichnet. Ganz gleich wo man hinschaut, hinhört, hinliest: Überall Infos. Und doch wird es gelegentlich immer mal wieder übersehen.
Nun sind die USA kein Land, das für seine besonders liberalen Einreisebestimmungen bekannt wäre. Jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, der schon mal üble Probleme mit den wenig humorigen amerikanischen Grenzbeamten hatte. Und dennoch, trotz frei zugänglicher Informationen und bekannter Tatsachen, gibt es immer noch Menschen, die sehenden Auges in ihr Unheil rennen.
Zum Beispiel: Ich. Eigentlich sollte ich morgen im Flugzeug nach New York sitzen. Tja. Eigentlich. Dank meiner großartigen Blödheit und so viel sei noch dazu erwähnt, den restriktiven Bestimmungen im Land der Freiheit, wird daraus nix. Statt Manhattan bleibt es die Marktstätte, statt Freiheitsstatue schaue ich auf die Imperia.
Und das alles nur weil mein Reisepass abgelaufen ist. Ziemlich kleine, fiese Sache, aber dies sorgt dafür, dass ich runde 270 Euro an eine Fluggesellschaft gespendet habe. Ohne Quittungsbeleg. Auch wenn ich versuche, es als meinen Beitrag gegen den Klimawandel umzudeuten, werde ich nicht glücklich damit. Man hätte ja einfach mal in seinen Pass schauen können. Oder auf das Flugticket. Oder die Inhalte der Nachrichtensendungen nicht nach zehn Minuten vergessen. All das hätte mir ziemlich viel Selbshass und Telefonkosten in der Warteschleife der US-Visastelle erspart. Warum ist man manchmal so blöd?
Auch wenn ich weiß, dass ich das wirklich selbst verbockt habe, wäre es doch mal auch ein Anlass über die USA nachzudenken. Die verlangen also tatsächlich, dass Besucher ihres Landes, so sie nur im Besitz eines vorläufigen Reisepasses sind, sich auf den Weg in ein Konsulat (Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg) zu machen, sich dort einem Visa-Interview zu stellen. So man den Stempel dann bekommt, bekommt man ihn selbstredend auch nicht gleich, sondern erst drei Werktage später. Per Post. Warum ist dieses Land nur so paranoid?
Zaghafter Comeback-Versuch: Warum ist es eigentlich manchmal so schwierig, im richtigen Moment das Richtige zu sagen? Und wer entscheidet darüber, wann der richtige Moment gekommen ist?
Warum kann jemand, der so gut aussieht auch noch so unglaublich singen?

Glücklich sieht sie aus. Jaël, 27, Sängerin der schweizer Popband Lunik hat so eben ein ziemlich gutes Konzert mit ihren vier Bandjungs Luk, Cedric, Jacob und Chrigel in der Blechnerei abgeliefert und wenige Minuten später steht sie zwischen ein paar Fans und gibt Autogramme. „Das war ein schö-nes Konzert“, sagt die 27-jährige.
Man nimmt es ihr ab: Ihre blauen Augen strahlen, das Muttermal über ihrer Oberlippe wippt mit, wenn sie lacht. Woran sie gemerkt hat, dass es ein gutes Konzert war? „Wenn ich auf der Bühne viel tanze, dann ist es gut“, sagt Jaël und dann wieder dieses unverschämt attraktive Lächeln.
Getanzt hat sie in der Tat viel in den knapp zwei Stunden ihres Konzertes. Hat sich treiben lassen von den satten Klängen ihres neuen Drummers Chrigel. Ihre Bewegungen immer fließend und leicht – fast so als wäre sie eine Meerjungfrau und die Bühne ihr Aquarium. Viel Zeit zum Freischwimmen brauchten die fünf Schweizer nicht.
Nach kurzer Zeit hatten sie das Band zu den rund 150 Zuschauern geknüpft und es entwickelte sich ein bemer-kenswert atmosphärischer Abend. Vor allem die Mischung aus intimen, sanf-ten Momenten und rockigen schnellen Nummern schaffte es, exakt die richtige Stimmungsbalance zwischen Melancholie und Aufbuchstimmung zu halten.
Die Lieder von Lunik sind allesamt deutlich geprägt von Jaëls weicher Stimme, die live noch intensiver und durchdringender klingt als auf den Alben.
Wenn sie über große Gefühle singt und ins Publikum schaut, dann fühlt sich für Sekunden jeder Mann persönlich angesprochen. „If I could touch me with your hands“ heißt es in einem Song und ein fast hörbares sehnsüchtiges Seufzen geht durch die Reihen. Überhaupt: Insgesamt hört sich die Band im Konzert deutlich kraftvoller und überzeugender an als im Studio.
Wirkt besonders die aktuelle CD „Preparing to Leave“ ziemlich glatt und beliebig produziert, so bekommen alle Songs auf der Bühne ihr eigenes, unverwechselbares Profil. Es ist so als würden sie erst vor Publikum zum Leben erweckt. Wer nur die Alben kennt, wird erstaunt sein wie anders sich Popmusik live anhören kann. Plötzlich sind da Ecken und Kanten zu hören, die Trip-Hop-Ursprünge der Band werden wieder hörbar und man möchte die Musiker am liebsten fragen, warum sie nicht immer so klingen.
Damit auch alle Zuschauer verstehen, dass Lunik nicht nur Sängerin Jaël ist, verschwindet sie für ein Instrumentalstück und überlässt ihren Jungs die Bühne. Die zeigen dort, was sie kön-nen: Ziemlich viel und das Publikum dankt es mit Applaus. Das ist der Moment in dem jeder in der Blechnerei merkt: Lunik ist mehr als eine beliebige Popband mit hübscher Sängerin.
Und doch ist Jaël eine Schlüsselfigur. Die Art, wie sie auf der Bühne steht, wie sie ihre Hand bei Balladen zart um das Mikrofon legt, die Augen schließt bei bestimmten Textpassagen. Ihr Erfolgs-geheimnis: Sie ist so wie sich Jungs ihre Traumfrau vorstellen. Selbstbe-wusst, einfühlsam, charmant, witzig.
Die Lieder von Lunik handeln vom Alltag, von den Tücken der Liebe, dem Verlassen-Werden und dem Verlassen. Schmerzende Herzen und unerfüllte Träume inklusive. Die Musik von Lunik hinterlässt in den Herzen der Zuhörer ein Ziepen: Ein Ziepen, das Ausdruck des Verlangens nach Mehr ist. Gleich-zeitig liegt darin aber auch ein gewis-ses Wohligkeitsgefühl. Mit anderen Worten: Wer nach diesem Abend nicht mindestens ein klein wenig in Jaël und ihre Jungs verliebt ist, der prüfe ob an der Stelle des Herzens sich ein Stein befindet.

Aufgefressen vom Alltag: Warum hat man für die Dinge, die einem wirklich Spaß machen, oft nur so wenig Zeit?
Warum kann man eigentlich nicht immer Rockstar sein?
Manchmal fühle ich mich wie Hanno Buddenbrook. Sehr sensibel, mitfühlend aber bisweilen lebensunfähig. Wenn es um die praktischen Dinge des Lebens geht, da bin ich, ja, man muss es wohl so deutlich sagen, ein Versager und Komplett-Ausfall.
Als der liebe Gott (oder wer auch immer dieses Amt ausübt) Fähigkeiten wie Handwerken, praktische Lösungskompetenz und Fingerfertigkeit vergeben hat, war ich wahrscheinlich in meiner Leseecke und habe Thomas Manns „Der Zauberberg“ gelesen. Gut, dieses Werk ist wahrhaft epochal, aber manches Mal wünschte ich mir in meinem Leben etwas weniger Geschick in philosophischen und etwas mehr Feingefühl für handwerkliche Fragen.
Deshalb finde ich, es sollte so etwas wie eine Schule des Lebens geben. Dort lernt man Dinge, die man tatsächlich für den Alltag gebrauchen kann: Möbel aufbauen, Lampen anbringen, Fliesen legen. Das sind die Grundlagen des Hausbaus, die man relativ früh verinnerlichen sollte. Schließlich haben die ersten Menschen vor Urzeiten auch erstmal eine Höhle gebaut. Wo kommen wir denn hin, wenn das alles verloren ginge? Eben.
Diese Schule des Lebens ist um unglaublich viele Fachbereiche erweiterbar. Zum Beispiel: Kluge Haushaltsführung. Mit so Unterfächern wie „Wie kaufe ich richtig ein, ohne das mir alle Lebensmittel am dritten Tag verschimmeln?“ oder „Was man mit Kartoffeln alles machen kann“. Danach könnte ich mir eine Doppelstunde „Versicherungs- und Altersvorsorgekunde“ vorstellen. Hier gibt es Tipps und Hinweise, wie man wo die besten und günstigsten Angebote bekommt und welche Versicherungen man wirklich braucht. Wenn diese Dinge wirklich so wichtig sind wie immer alle sagen: Warum bringt einem das niemand bei?
Als generationenverbindendes Projekt wünschte ich mir eine Lebenserfahrung AG. Die liefe am Nachmittag und auf freiwilliger Basis. Ältere Menschen würden uns jungen Hüpfern hier mal erklären, wie sie ihr Leben gelebt haben, wo Fehler lauern und wo Chancen. Praktische Tipps gibt es in dem Bereich „Entscheidungen treffen – leicht gemacht“. Eine Art Selbsthilfegruppe für alle Wankelmütigen und Niemalsentschlossenen.
Ja, das wäre eine Schule, wie wir sie bräuchten. Die Fehlstundenquote würde in den Keller rasen und alles andere wie Mathematik, Politik und Französisch käme dann sicher von ganz allein.